In den meisten Branchen ist immer mehr von dem papierlosen Büro die Rede und die elektronische Dokumentenverarbeitung sowie der intelligent gesteuerte Workflow gehören fast überall zum Standard. Im Gesundheitswesen tut man sich aber immer noch schwer mit der Umstellung und der effektiven Nutzung des elektronischen Datenaustausches und der elektronischen Dokumentation.

Zwar hat fast jeder niedergelassene Mediziner längst seinen Rechner auf dem Schreibtisch. Doch schätzungsweise nutzen nur 35 Prozent der Ärzte den eigenen PC für die elektronische und strukturierte Dokumentation von Patienteninformationen und der Krankengeschichte. Daher muss man leider feststellen: In den meisten Praxen regiert noch immer das Papier.

In Spitälern sieht es hingegen etwas anders aus. Zwar hat hier die elektronische Informationsverarbeitung und Dokumentation fast flächendeckend Einzug gehalten, doch ist es hier häufig die schlechte Bedienerfreundlichkeit der Software, welche zu Unmut bei den Ärzten und dem Pflegepersonal führen.

In Zukunft braucht es eine noch bessere Vernetzung

Schätzungsweise nutzen nur 35 Prozent der Ärzte einen PC für die elektronische und strukturierte Dokumentation von Patienteninformationen

Das elektronische Patienten-Dossier (ePD) wurde am 19. Juni verabschiedet. Doch noch steht die praktische Umsetzung in den Kantonen bevor und auch in manchen Köpfen von Gesundheitsfachpersonen muss noch ein Umdenken stattfinden. Eine wesentliche technische Voraussetzung ist auch, dass die entsprechenden Gesundheitsinformationen vom Röntgenbild über Laborwert bis hin zu Entlassungsakten alle in strukturierter digitalisierter Form bereitstehen und nicht einfach eingescannt werden. Nur so ist ein intelligenter Datenaustausch sinnvoll, effektiv und kostensparend. Im nächsten Schritt ist dann die intelligente Vernetzung der gesamten Peripherie unter Berücksichtigung der entsprechenden Zugriffsrechte und eines ausreichenden Datenschutzes wichtig.

Auch Vitaldaten aus Apps elektronisch einbinden

Hinzu kommt, dass auch Patienten immer mehr Eigenverantwortung in Sachen Gesundheit übernehmen, was sicher als eine positive Entwicklung zu werten ist. So sammeln immer mehr Technikbegeisterte gesundheitsrelevante Informationen und Vitaldaten auf dem eigenen Smartphone mit Hilfe von sogenannten Gesundheits-Apps beziehungsweise tragen ein Wearable als Fitnessoptimierer am Handgelenk.

Doch trotz allem technischen Fortschritt werden diese elektronischen Daten häufig noch immer ausgedruckt und dem Arzt auf Papier präsentiert. Medienbrüche bei der Übermittlung von Daten sollten aber vermieden werden. Wichtig ist deshalb, dass einheitliche Schnittstellen geschaffen werden, um diese gesamten Informationen auf elektronischem Wege überall und jederzeit verfügbar zu machen.

Eine weitere Forderung ist die verbesserte Schulung der Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Erst dann hat die elektronische Datenverarbeitung im Gesundheitswesen eine echte Chance, wirklich Mehrwert und Nutzen zu schaffen und so auch kostendämmend zu wirken. Und am Ende rückt dann hoffentlich der Patient wieder in den Vordergrund und die Digitalisierung der Medizin erhöht die Sicherheit und schafft einen Mehrnutzen für die Patientinnen und Patienten.